Was für ein Spieltyp bist du?

Das Spielbüro benutzt für seine massgeschneiderten Spielevents einen Fragebogen, aus dem ein Spielprofil der Teilnehmer und der Gruppe generiert werden kann. Aufgrund dieser Informationen über die Spielvorlieben werden dann die passenden Spiele für den Event zusammengestellt, um eine hohe Zufriedenheit zu garantieren.

Spielbüro: Hallo Roberto, wie bist du auf die Idee mit dem Spielprofil gekommen?

Roberto: Das ist eine witzige Geschichte und eigentlich ein Zufall. Wir haben einen Spielevent organisiert mit dem Titel „Game-Dating – finde deinen Spielpartner“. Da stand zuerst die Frage im Raum, ob ähnliche Spieler-Typen oder verschiedene besser zusammenpassen. Vergleichbar mit einer Partner-Vermittlung haben wir uns dann dafür entschieden, die einzelnen Spielpaare aufgrund der Ähnlichkeiten der Spielvorlieben zu bilden. Da war dann der Schritt bis zu unserem ersten Fragebogen nicht mehr sehr weit. Das Beste aber war der Proof of Concept an dem Event. Selbst etwas eigene Persönlichkeiten fanden einen passenden Spielpartner und alle hatten Spass.

Spielbüro: Hat sich der Fragebogen bzw. die Spieltypen mit den bisherigen Erfahrungen geändert oder ist es unverändert seit Anfang der Idee?

Roberto: Bisher gab es nur kleine Änderungen. Zwei Fragen und einige sprachliche Details wurden angepasst. Ausserdem war der Fragebogen zuerst auf einem Excel und nun ist es ein Online-Fragebogen. Inhaltlich hat er sich kaum verändert.

Spielbüro: Welche Dimensionen gibt es? Basieren diese auf einer theoretischen Grundlage?

Roberto: Bei uns gibt es fünf Dimensionen: Von Wettkampforientierung über die Freude am Zusammensein zur Vorliebe für kreative, intellektuelle oder bewegungsorientierte Spiele. Diese Dimensionen sind nicht absolut neu. Callois hat bereits 1955 ein Buch zur Klassifikation von Spielen geschrieben, indem viele Elemente bereits enthalten sind. Neuer ist die Typologie von Bartle, der vor allem auf Mehrspieler-Onlinespiele fokussiert oder Marczewskis ausgefeilte Typologie. Schlussendlich zeigen sich zwischen den einzelnen Ansätzen mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede. Für uns war es wichtig, mit Dimensionen zu arbeiten, die verständlich sind. Ausserdem wollten wir einen kurzen Fragebogen, um eine hohe Akzeptanz bei den Benutzern zu erhalten.

Spielbüro: Finden sich die Teilnehmer von Spielevents in den zugeteilten Spieltypen wieder?

Roberto: Ja. Ich denke ein wichtiger Grund ist, dass die Leute diesen Fragebogen grundsätzlich ehrlich beantworten. Dadurch unterliegt er nur geringen Verzerrungstendenzen. Wahrscheinlich weil er Spass macht und nicht irgendeine Gefährdung für die Einzelnen darstellt. Dadurch spiegelt das Profil wirklich die Vorlieben der Person wieder und der Wiedererkennungswert ist gross. Ausserdem ist der Gruppenvergleich meist sehr spannend für die Einzelnen.

Spielbüro: Wie stehst du zu folgendem Zitat von Platon „Wenn man mit einem Menschen eine Stunde lang spielt, ‎lernt man ihn besser kennen, als wenn man sich ein Jahr lang mit ihm unterhält.“?

Roberto: In meinen Augen passt diese Aussage ausgezeichnet. Schon viele hatten beim Spielen Erlebnisse mit Mitspielern, bei denen Persönlichkeitszüge zu Tage kamen, die vorher kaum erkennbar waren. Dies im Positiven wie im Negativen. Wahrscheinlich weil viele Menschen vom Spiel so absorbiert werden, dass sie nicht mehr soviel Energie in das Aufrechterhalten ihrer Maske investieren können. Und dann sieht man sehr einfach, was dahintersteckt.

Spielbüro: Was verraten die Spieltypen über die Persönlichkeit der SpielerInnen?

Roberto: Hierzu möchte ich nicht allzu viel verraten. Ein paar Geheimnisse müssen noch bleiben. Es gibt offensichtliche Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Spielvorlieben. Ich persönlich empfehle, mit dem Spielprofil die Persönlichkeit zu explorieren und nicht daraus eine klare Beschreibung ableiten zu wollen.

Spielbüro: Apropos Geheimnis. Wie ist dein Spieltyp?

Roberto: Wettkampf steht bei mir an erster Stelle. Auch wenn sich diese Eigenschaft in den letzten Jahren etwas abgeschwächt hat. Danach kommt Denken und dann Kreativität. Diese beiden Dimensionen sind bei mir recht ähnlich stark ausgeprägt.

Spielbüro: Welche Spiele passen zu deinem Spieltyp?

Roberto: Eigentlich recht viele. Da bei den meisten Spielen der Wettkampf stimuliert wird und mit Denken und Kreativität zwei eher gegenteilige Vorlieben vorhanden sind. Ein Klassiker, den ich lange als mein Lieblingsspiel bezeichnet habe, war Intrige – dieses Spiel passt wirklich zu meinem Spieltyp. Ein neueres, das zu mir passt, ist Codenames.

Spielbüro: Und nun zur letzten Frage. Wenn jemand nach dem Lesen Lust bekommen hat, diesen Fragebogen auszufüllen. Kann er dies machen?

Roberto: Na klar. Er soll uns über spiel@spielbuero.ch kontaktieren und wir schicken ihm dann den Link zum Online-Fragebogen zu.

Spielbüro: Danke für die Antworten und weiterhin viel Spielspass.

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Development Game Center – eine Alternative zur klassischen Standortbestimmung

Über meinen „anderen“ Arbeitgeber, das IAP, bekam ich die Anfrage eine Standortbestimmung (ein Development Center) zu designen. Der Kunde ist ein innovatives, internationales Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz. Sofort machte ich mich an die Arbeit, aber langsam überkam mich ein schlechtes Gefühl. Wie kann ich einem modernen Kunden etwas anbieten, dass schon seit über 50 Jahren in praktisch gleicher Art durchgeführt wird? Ausserdem stimmten für mich die Ziele des Kunden nur begrenzt mit den Möglichkeiten eines klassischen Development Centers überein. Ihr Wunsch war eine ungezwungene Atmosphäre herzustellen, damit sich die Teilnehmer austauschen und kennenlernen können. So sollten sie die Möglichkeit erhalten, die eigene Rolle zu reflektieren und diese mit den Kollegen abzugleichen. Auch das Bewusstsein für die in dieser Rolle wichtigen Kompetenzen sollten geschärft werden. Zudem sollten erste Lernerfahrungen in den Bereichen Kommunikation bzw. Auftritt und Feedback gemacht werden. So schuf ich das Development Game Center – eine gamifizierte Variante des Development Centers.

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Was macht ein Development Game Center aus? Das erste und wichtigste ist die veränderte Rolle der Teilnehmer und der Assessoren bzw. Spielleiter. Die Teilnehmer sind nicht mehr die Versuchsmäuse, die von den Assessoren beobachtet werden und zum Schluss mit dem Resultat konfrontiert werden. Sie haben eine aktive Rolle und wissen in den einzelnen Übungen genau, was von ihnen erwartet wird. Transparenz und Gleichberechtigung sind grundlegende Elemente eines Spiels. Es funktioniert nur, wenn die Spieler wissen, wofür es Punkte gibt bzw. nicht. Dadurch sinkt auch das Machtgefälle zwischen Teilnehmer und Beobachter. Die Spielleiter, wie ich sie nenne, haben als Hauptaufgabe bei Durchführung der Übung zu unterstützen. Zudem sind sie aber auch als Feedbackgeber gefordert. Die Spielleiter können direkt nach den Übungen den Teilnehmern Stärken, aber auch Entwicklungspunkte aufzeigen, um ihnen Quick Wins zu ermöglichen.

Damit die Gamifizierung klappte, baute ich auf 3 Elemente und ein technisches Hilfsmittel. Das erste Element, war eine Geschichte. Die Übungen wurden als eine Reise dargestellt, welche fünf Quests (=Heldenreise oder Âventiure eines Ritters oder Helden) beinhaltete. Diese Hintergrundgeschichte passte zu ihrer aktuellen Situation. Zudem gab sie einerseits einen Rahmen und damit Überblick über den jeweiligen Stand der Standortbestimmung und andererseits erleichterte es den Teilnehmern dank der spielerischen Leichtigkeit sich auf diesen Tag und die Übungen einzulassen.

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Das zweite Element war der Einsatz von Avataren. In der Literatur wird dies bisweilen kritisch beurteilt. Aber gemässe meiner Erfahrung hilft es enorm, gewohnte Dinge auf einer anderen Art und Weise zu betrachten. In diesem Fall dienten sie als symbolhafte Beschreibungen für die eigene Rolle, wodurch den Teilnehmern der Perspektivenwechsel erleichtert wurde. Die Avatare hatten noch ein paar zusätzliche Features, auch welche ich aber hier nicht im Detail eingehe.

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Das dritte Element und das technische Hilfsmittel war die direkte Punktvergabe über ein Classroom Response System. Dadurch konnten die Teilnehmer – nebst einem mündlichen Feedback, das auch sehr wichtig war – ihren Kollegen Punkte für die Aufgabenerledigung vergeben. Dies ist eine schnelle, unkomplizierte Art eines globalen Feedbacks. So wusste jeder, wie er bezüglich der einzelnen Kompetenzen von seinen Kollegen eingeschätzt wurde. Natürlich erhielten die Teilnehmer mit den meisten Punkten noch einen kleinen, symbolischen Preis. Etwas Wettbewerb schadet nie.

Das Resultat dieses Development Game Centers übertraf meine Erwartungen. Es herrschte eine gute Stimmung, aber auch eine sehr produktive. Die Teilnehmer liessen sich auf die einzelnen Übungen ein und erreichten dadurch einen maximalen Lerneffekt. Die positiven Feedbacks zum Development Game Center waren schmeichelhaft und mündeten in folgender Schlussbewertung:

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Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Form der Standortbestimmungen viele Stärken und viel Potenzial hat. Wer Interesse daran hat, kann sich gerne bei mir melden.

Roberto Siano

Spielbüro

Warum analoge Spiele in einer digitalen Welt?

Digitalisierung ist ein Megatrend – alles wird smarter. Das Ziel ist oftmals das Leben zu erleichtern oder zu beschleunigen. Das „internet of things“ steht vor der Türe. Bald muss man auf den Flohmarkt oder ins Brockenhaus gehen, wenn man einen Kühlschrank will, der nicht selbständig online geht. Diese Entwicklung macht in vielen Bereichen Sinn, in anderen vielleicht weniger, aber aufzuhalten ist sie definitiv nicht.

Persönlich war ich schon immer ein Analog- und Digitalspieler. Ich habe Nächte mit Karten und Spielfeldern, aber auch mit Konsolen und Bildschirmen verbracht. Wobei ich beidem seinen Reiz abgewinnen kann. Aber momentan erlebe ich eine mediale, digitale Übermacht in der Spielwelt, dass ich eine Lanze für analoge Lösungen brechen will, da diese einzigartige Vorteile haben. Mir geht es aber nicht darum, digital gegen analog auszuspielen. Digitale Lösungen besitzen klare Vorzüge, wie z.B. Unabhängigkeit von Zeit und Ort, Skalierbarkeit und Verbreitungsmöglichkeiten.

Nintendo Gameboy
Original Nintendo Gameboy with Tetris running

Aber welches sind die Vorteile analoger Spiele? Einerseits sind sie meist einfacher umzusetzen. Wer schon einmal ein Spiel entwickelt hat, weiss, dass man mit Papier, Karton und Stiften sehr weit kommt – auch ohne Programmierkenntnisse oder entsprechende Software. Ausserdem sind sie unabhängig einsetzbar. Wer hat in einer Skihütte nicht schon einmal mit Karten oder Würfeln gespielt, ohne auf Internet oder Strom angewiesen zu sein? Dies führt zum nächsten Pluspunkt – gemäss meiner Erfahrung erzeugen analoge Spiele geringere Berührungsängste z.B. bei älteren Spielern. Ein nicht zu unterschätzender Nutzen, wenn man an Diversität denkt. Zudem ist analoges Erleben persönliches Erleben. Digital kann man vieles simulieren, aber die Eindrücke, die man durch den direkten Kontakt mit Menschen erhält, sind an Reichhaltigkeit nicht zu überbieten.

Zu guter Letzt und in meinen Augen das wichtigste Argument: Analoge Spiele haben eine hohe Wertigkeit. Und zwar weil man mit der wertvollsten Währung zahlen muss, die man hat und zwar mit Zeit. Analoge Spiele verlangen, dass man sich mit anderen an einem Ort versammelt und zusammen Zeit verbringt bzw. investiert. Dies ist eine hohe Form von Respekt den Mitspielern gegenüber. Diese Verbindlichkeit macht analoge Spiele auch so geeignet für verschiedene Formen der Teambildung. Denn nur gemeinsames Erleben kann ein Wir-Gefühl erzeugen.

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Kurzum die Schwächen der analogen Spiele sind auch deren Stärken – sie sind nicht unendlich multiplizierbar, sondern persönlich und an den spezifischen Moment gebunden.

Roberto Siano

http://www.spielbuero.ch

PS: Für am Thema interessierte: Ich gebe eine 3-tägige Weiterbildung zum Thema Spiele am IAP.

Was wir unter einem individuellen Spielevent verstehen…

Oft werde ich gefragt, was wir denn so spielen an unseren Events. Meine Antwort, dass dies je nach Kunde unterschiedlich sei, trägt jeweils nicht wirklich zur Klärung dieser Fragestellung bei. Deshalb möchte ich an einem konkreten Beispiel erklären, was individuelle Spielevents für uns bedeuten.

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Das Setting war in diesem Fall folgendes: Der Spielevent sollte von ca. 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr dauern. Der Raum und das Catering wurde durch den Kunden organisiert. Bei Auftragserteilung war die Anzahl Teilnehmende noch nicht ganz klar – es waren schlussendlich um die 25 Personen. Das Ziel dieses Abends war ein spassiges Zusammensein ausserhalb der Arbeit, um das Teamgefühl zu stärken. Ausserdem fand man die Idee einer Durchmischung der Teilnehmenden gut, da diese im Alltag eher getrennt in ihren Bereichen arbeiteten.

Zur Vorbereitung gehörte ein Interview mit dem Auftraggeber und das Versenden der Einladung mit dem Spieletyp-Fragebogen. Dieser Fragebogen besteht aus 15 Fragen und ermöglicht die Identifikation der Spielevorlieben (Dimensionen) und des Spielequotienten der einzelnen Personen. Ausserdem kann man zur Analyse einer Gruppe eine Gruppenauswertung machen.

Bei diesem Kunden ergab die Gesamtanalyse, dass das Unternehmen durchschnittlich spieleaffin war (mit grossen individuellen Unterschieden). Die Dimensionen Denken (Spiele, die den Intellekt fordern), Wettbewerb (Spiele mit Wettbewerbscharakter) und Kreativität (Spiele, welche auf Einfallsreichtum setzen) erzielten die höchsten Werte. Auf diesen Informationen bauten wir dann diesen Event auf.

Der Event bestand aus einem kurzen Intro und drei verschiedenen Spielrunden. Dies, um den unterschiedlichen Spiele-Typen Rechnung zu tragen, um für etwas zusätzliche Bewegung und Durchmischung zu sorgen, aber auch, um sich zwischen den Durchgängen an den ausserordentlich feinen Mezzes zu laben.

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Beim Intro wurden die Auswertungen der Fragebogen an die einzelnen Teilnehmenden verteilt und kurz erklärt. Dann ging es mit Time’s Up (Runde 1) los – ein Spiel „bei dem der Spass zunimmt, wenn die Kommunikation abnimmt.“ Es lockerte sofort die Stimmung und es wurde immer lauter gelacht. Das Besondere war, dass die Teams aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Spiele-Typen gebildet wurden, was schnell zu einer lockeren Atmosphäre führte.

Danach kam ein – von uns entwickeltes – Kreativ-Spiel (Runde 2) zum Zuge. Auf die Erklärung von Details zu diesem Spiel verzichte ich an dieser Stelle 😉 In dieser Runde wurden die Teams neu gebildet und zwar indem man – im Gegensatz zur vorherigen Runde – heterogene Gruppen bildete mit Teilnehmern mit unterschiedlichen Spiele-Typen. Dadurch entstanden neue Teams mit neuen Talenten.

Die Dimensionen Denken und Wettbewerb waren bei den Teilnehmern relativ stark vertreten. Deshalb wollten wir diese in der Abschlussrunde bedienen und zwar mit einer Quiz-Schnitzeljagd (Runde 3). Das dynamische Quiz in Verbindung mit einer Schnitzeljagd, die sich ideal in die Location einpasste, war der krönende Abschluss des Abends. Er weckte nochmals die kompetitiven Geister und sorgte für viel Spass und Verwirrung bis der Sieger gekürt wurde.

Sieg

Die Feedbacks der Teilnehmenden dieses Events waren ausnahmslos gut – sogar der Überraschungsgast, Inhaber und pensionierter CEO zeigte sich sehr erfreut über den Abend und die Stimmung. Wir hoffen, das dieses Beispiel aufzeigt, was alles möglich ist in Sachen individuelle Spielevents – nämlich fast alles.

Von Roberto Siano

www.spielbuero.ch