Development Game Center – eine Alternative zur klassischen Standortbestimmung

Über meinen „anderen“ Arbeitgeber, das IAP, bekam ich die Anfrage eine Standortbestimmung (ein Development Center) zu designen. Der Kunde ist ein innovatives, internationales Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz. Sofort machte ich mich an die Arbeit, aber langsam überkam mich ein schlechtes Gefühl. Wie kann ich einem modernen Kunden etwas anbieten, dass schon seit über 50 Jahren in praktisch gleicher Art durchgeführt wird? Ausserdem stimmten für mich die Ziele des Kunden nur begrenzt mit den Möglichkeiten eines klassischen Development Centers überein. Ihr Wunsch war eine ungezwungene Atmosphäre herzustellen, damit sich die Teilnehmer austauschen und kennenlernen können. So sollten sie die Möglichkeit erhalten, die eigene Rolle zu reflektieren und diese mit den Kollegen abzugleichen. Auch das Bewusstsein für die in dieser Rolle wichtigen Kompetenzen sollten geschärft werden. Zudem sollten erste Lernerfahrungen in den Bereichen Kommunikation bzw. Auftritt und Feedback gemacht werden. So schuf ich das Development Game Center – eine gamifizierte Variante des Development Centers.

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Was macht ein Development Game Center aus? Das erste und wichtigste ist die veränderte Rolle der Teilnehmer und der Assessoren bzw. Spielleiter. Die Teilnehmer sind nicht mehr die Versuchsmäuse, die von den Assessoren beobachtet werden und zum Schluss mit dem Resultat konfrontiert werden. Sie haben eine aktive Rolle und wissen in den einzelnen Übungen genau, was von ihnen erwartet wird. Transparenz und Gleichberechtigung sind grundlegende Elemente eines Spiels. Es funktioniert nur, wenn die Spieler wissen, wofür es Punkte gibt bzw. nicht. Dadurch sinkt auch das Machtgefälle zwischen Teilnehmer und Beobachter. Die Spielleiter, wie ich sie nenne, haben als Hauptaufgabe bei Durchführung der Übung zu unterstützen. Zudem sind sie aber auch als Feedbackgeber gefordert. Die Spielleiter können direkt nach den Übungen den Teilnehmern Stärken, aber auch Entwicklungspunkte aufzeigen, um ihnen Quick Wins zu ermöglichen.

Damit die Gamifizierung klappte, baute ich auf 3 Elemente und ein technisches Hilfsmittel. Das erste Element, war eine Geschichte. Die Übungen wurden als eine Reise dargestellt, welche fünf Quests (=Heldenreise oder Âventiure eines Ritters oder Helden) beinhaltete. Diese Hintergrundgeschichte passte zu ihrer aktuellen Situation. Zudem gab sie einerseits einen Rahmen und damit Überblick über den jeweiligen Stand der Standortbestimmung und andererseits erleichterte es den Teilnehmern dank der spielerischen Leichtigkeit sich auf diesen Tag und die Übungen einzulassen.

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Das zweite Element war der Einsatz von Avataren. In der Literatur wird dies bisweilen kritisch beurteilt. Aber gemässe meiner Erfahrung hilft es enorm, gewohnte Dinge auf einer anderen Art und Weise zu betrachten. In diesem Fall dienten sie als symbolhafte Beschreibungen für die eigene Rolle, wodurch den Teilnehmern der Perspektivenwechsel erleichtert wurde. Die Avatare hatten noch ein paar zusätzliche Features, auch welche ich aber hier nicht im Detail eingehe.

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Das dritte Element und das technische Hilfsmittel war die direkte Punktvergabe über ein Classroom Response System. Dadurch konnten die Teilnehmer – nebst einem mündlichen Feedback, das auch sehr wichtig war – ihren Kollegen Punkte für die Aufgabenerledigung vergeben. Dies ist eine schnelle, unkomplizierte Art eines globalen Feedbacks. So wusste jeder, wie er bezüglich der einzelnen Kompetenzen von seinen Kollegen eingeschätzt wurde. Natürlich erhielten die Teilnehmer mit den meisten Punkten noch einen kleinen, symbolischen Preis. Etwas Wettbewerb schadet nie.

Das Resultat dieses Development Game Centers übertraf meine Erwartungen. Es herrschte eine gute Stimmung, aber auch eine sehr produktive. Die Teilnehmer liessen sich auf die einzelnen Übungen ein und erreichten dadurch einen maximalen Lerneffekt. Die positiven Feedbacks zum Development Game Center waren schmeichelhaft und mündeten in folgender Schlussbewertung:

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Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Form der Standortbestimmungen viele Stärken und viel Potenzial hat. Wer Interesse daran hat, kann sich gerne bei mir melden.

Roberto Siano

Spielbüro

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