Warum analoge Spiele in einer digitalen Welt?

Digitalisierung ist ein Megatrend – alles wird smarter. Das Ziel ist oftmals das Leben zu erleichtern oder zu beschleunigen. Das „internet of things“ steht vor der Türe. Bald muss man auf den Flohmarkt oder ins Brockenhaus gehen, wenn man einen Kühlschrank will, der nicht selbständig online geht. Diese Entwicklung macht in vielen Bereichen Sinn, in anderen vielleicht weniger, aber aufzuhalten ist sie definitiv nicht.

Persönlich war ich schon immer ein Analog- und Digitalspieler. Ich habe Nächte mit Karten und Spielfeldern, aber auch mit Konsolen und Bildschirmen verbracht. Wobei ich beidem seinen Reiz abgewinnen kann. Aber momentan erlebe ich eine mediale, digitale Übermacht in der Spielwelt, dass ich eine Lanze für analoge Lösungen brechen will, da diese einzigartige Vorteile haben. Mir geht es aber nicht darum, digital gegen analog auszuspielen. Digitale Lösungen besitzen klare Vorzüge, wie z.B. Unabhängigkeit von Zeit und Ort, Skalierbarkeit und Verbreitungsmöglichkeiten.

Nintendo Gameboy
Original Nintendo Gameboy with Tetris running

Aber welches sind die Vorteile analoger Spiele? Einerseits sind sie meist einfacher umzusetzen. Wer schon einmal ein Spiel entwickelt hat, weiss, dass man mit Papier, Karton und Stiften sehr weit kommt – auch ohne Programmierkenntnisse oder entsprechende Software. Ausserdem sind sie unabhängig einsetzbar. Wer hat in einer Skihütte nicht schon einmal mit Karten oder Würfeln gespielt, ohne auf Internet oder Strom angewiesen zu sein? Dies führt zum nächsten Pluspunkt – gemäss meiner Erfahrung erzeugen analoge Spiele geringere Berührungsängste z.B. bei älteren Spielern. Ein nicht zu unterschätzender Nutzen, wenn man an Diversität denkt. Zudem ist analoges Erleben persönliches Erleben. Digital kann man vieles simulieren, aber die Eindrücke, die man durch den direkten Kontakt mit Menschen erhält, sind an Reichhaltigkeit nicht zu überbieten.

Zu guter Letzt und in meinen Augen das wichtigste Argument: Analoge Spiele haben eine hohe Wertigkeit. Und zwar weil man mit der wertvollsten Währung zahlen muss, die man hat und zwar mit Zeit. Analoge Spiele verlangen, dass man sich mit anderen an einem Ort versammelt und zusammen Zeit verbringt bzw. investiert. Dies ist eine hohe Form von Respekt den Mitspielern gegenüber. Diese Verbindlichkeit macht analoge Spiele auch so geeignet für verschiedene Formen der Teambildung. Denn nur gemeinsames Erleben kann ein Wir-Gefühl erzeugen.

Spieler analog2

Kurzum die Schwächen der analogen Spiele sind auch deren Stärken – sie sind nicht unendlich multiplizierbar, sondern persönlich und an den spezifischen Moment gebunden.

Roberto Siano

http://www.spielbuero.ch

PS: Für am Thema interessierte: Ich gebe eine 3-tägige Weiterbildung zum Thema Spiele am IAP.

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